Informationen der DGfK
Künstlicher Winterschlaf ermöglicht Operationen an der Hauptschlagader
Hypothermer Kreislaufstillstand ist Schwerpunkt einer internationalen
Fachtagung der Kardiotechniker in Celle 2002 wurden in Deutschland 2871
Operationen an der Hauptschlagader vorgenommen, darunter 317 am Aortenbogen.
Solche Eingriffe sind besonders gefährlich: Die Blutzufuhr zum Gehirn muß
für einige Zeit erheblich eingeschränkt oder sogar ganz unterbunden werden.
Das wäre für die Patienten tödlich - gäbe es nicht ein spezielles Verfahren
in der Kardiotechnik dafür: Der hypotherme Kreislaufstillstand versetzt
Patienten für die Dauer der Operation in einen künstlichen Winterschlaf.
Dazu werden bleistiftdicke Kanülen in die Leistengefäße eingebracht, der
Blutkreislauf über Schläuche mit der Herz-Lungen-Maschine (HLM) verbunden
und die Körpertemperatur langsam bis auf 18°C abgesenkt. Parallel dazu wird
die Pumpleistung der HLM reduziert, der Kreislauf schließlich ganz gestoppt,
das Blutvolumen in ein Reservoir geleitet. Jetzt hat der Chirurg ein blutleeres
Operationsfeld und kann unter Sicht die Aorta oder den Aortenbogen ersetzen.
Die Dauer eines solchen künstlichen Winterschlafs ist begrenzt, die Reduzierung
des Sauerstoffverbrauchs und der Stoffwechselaktivität durch Absenken der
Temperatur hierbei der begrenzende Faktor: Bei 18°C werden ca. 40-45 Minuten
Blutleere im Gehirn gut toleriert. Mit den modernen Herz-Lungen-Maschinen
und Hypothermiegeräten können Abkühlung und Wiedererwärmung exakt gesteuert
werden. Kontroversen bestehen hinsichtlich verschiedener Varianten zur Steuerung
des Säure-Basen-Haushalts während der einzelnen Temperaturphasen. Auf der
32. Internationalen Fortbildungs- und Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft
für Kardiotechnik e. V. vom 29. bis 31. Mai 2003 in Celle diskutieren ca.
300 Spezialisten aus dem In- und Ausland Strategien zur besseren Beherrschung
dieses anspruchsvollen Verfahrens zur Kreislaufunterstützung.
Holger Zorn, Mai 2003
Pressekontakt:
Johannes Gehron
Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e. V.
Tel.: 0641 / 9944257
