Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e.V.

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Altern: medizinisches Versagen oder biologische Notwendigkeit?

Lebensführung in der Jugend bestimmt unser Alter Die zunehmende Überalterung in unserer Bevölkerung führt zu großen soziologischen Problemen, die bereits jetzt unter den Schlagworten Gesundheits- und Rentenpolitik heiß diskutiert werden. Trotz steigender Ausgaben im Gesundheitssystem und Fortschritte in der Behandlung von Krankheiten muss man sich fragen, warum es immer noch so viele altersassoziierte Erkrankungen gibt. So stirbt jeder zweite Deutsche an Herz-Kreislauferkrankungen - und die Chance, daran zu erkranken, nimmt mit dem Alter überdurchschnittlich zu. Warum scheint die Medizin hier zu versagen? Um dieses Problem besser zu verstehen, muss man sich der Biologie zuwenden. Evolutionsbiologisch gesehen sind die für den Menschen so wichtigen letzten 5.000 Jahre an kultureller Entwicklung irrelevant, wir leben mit der biologischen Ausstattung eines Eiszeitmenschen in der Zeit der Nano- und Gentechnik. Gehen wir kurz zurück in die "Steinzeit": Die durchschnittliche Überlebenszeit in einer natürlichen und feindlichen Umgebung lag weit unter 40 Jahre. Die Natur hat Mechanismen zur Arterhaltung geschaffen, die das Überleben bis zur Reproduktion (mit ca. 15 Jahren) und Aufzucht der Nachkommen bis in dieses Alter weitgehend sichert. Dieselben Mechanismen können aber im Alter kontraproduktiv sein. Dieses Phänomen wird antagonistischer Pleiotropismus genannt. Zwei Beispiele: Die Sexualhormone werden im Körper aus Cholesterin synthetisiert. Während hohe Cholesterin-Spiegel gut für die Reproduktion sind, tragen sie im Alter bekanntermaßen zur Entstehung von Arteriosklerose bei. Die sog. replikative Seneszenz, das Altern von einzelnen Zellen, wird als eines der wichtigsten Schutzmechanismen gegen die Ausbildung von Tumoren in der Jugend gesehen. Verhindern wir diese Zellalterung, werden wir früher an Tumoren sterben. Eine Anreicherung solcher seneszenter Zellen im Gewebe alter Menschen führt aber zur Fibrose und letztendlich zu Organdysfunktion.

Was können wir daraus lernen? Wir werden das Altern nicht verhindern können, sollten aber lernen, durch unsere Lebensführung Erkrankungen im Alter vorzubeugen. Vieles ist bereits bekannt: regelmäßig leichten Sport, eine mit Antioxidantien (Vitaminen) angereicherte Ernährung, verhindern von Übergewicht und geistiges Training. Letztendlich bleibt die Frage, ob wir selbst dazu bereit sind, durch eine Anpassung unseres Lebensstils Alterserkrankungen vorzubeugen.

Mit dem älteren Herzpatienten, insbesondere in der Herzchirurgie, ihren Risiken und Komplikationen befasst sich ein Fachkongress vom 20.-22. Mai 2004 in Celle. Die 33. Internationale Fortbildungs- und Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik e. V. bietet allen in diesem Fachgebiet und den angrenzenden Disziplinen Tätigen ein breites Vortragsspektrum und eine umfassende Industrieausstellung. Es werden rund 300 Spezialisten aus dem In- und Ausland in Celle erwartet.

Holger Zorn, Mai 2004

Pressekontakt:
Johannes Gehron
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Tel.: 0641 / 9944257