Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e.V.

Informationen der DGfK

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen- auch nicht in der Herzchirurgie


Konzentration der Kinderherzchirurgie auf 10-15 Zentren sichert Qualität

Im Jahr 2002 wurden in Deutschland 734.475 Kinder geboren, etwa jedes hundertzwanzigste davon mit einem Herzfehler. Das sind ca. 6.000 Neugeborene - und gut 4000 von ihnen benötigen eine oder auch mehrere Operationen mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine, drei Viertel dieser Patienten erreichen so das Erwachsenenalter. Auf der 32. Internationalen Fortbildungs- und Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik e. V. vom 29. bis 31. Mai 2003 in Celle diskutieren Experten aus dem In- und Ausland - Mediziner und Kardiotechniker - den aktuellen Stand dieses auch emotional anspruchsvollen Spezialgebietes.

Etwa 75% dieser 4.000 Eingriffe müssen als äußerst kompliziert eingestuft werden. Aufgrund der heute üblichen Frühkorrekturen handelt es sich meist um sehr kleine Säuglinge mit äußerst komplexen Fehlbildungen des Herzens. Die Säuglings- und Kinderherzchirurgie unterscheidet sich damit wesentlich von der Chirurgie erworbener Herzfehler. Dort, bei den erwachsenen Patienten, ist das Spektrum der möglichen Eingriffe überschaubar, die Operationen selbst sind hochgradig standardisiert. Auch das kardiotechnische Vorgehen bei Kindern ist nicht zu vergleichen mit den über 90.000 extrakorporalen Zirkulationen mit Herz-Lungen-Maschine, die jährlich bei Erwachsenen durchgeführt werden. Kindliche Patienten sind von der Perfusionstechnik her ganz anders zu betrachten als Erwachsene: Sie haben einen höheren Stoffwechsel, ein größeres Blutvolumen in Relation zum Körpergewicht und einen höheren Sauerstoffbedarf. Sie senken und steigern die Körpertemperatur bedeutend schneller. Sie sind schneller dehydriert oder volumenüberlastet.

Die Vorstände der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie haben sich bereits 1997 auf Zahlen von mindestens 150 Operationen mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine pro Jahr und Klinik verständigt. Nur durch die Konzentration auf sogenannte "Centers of Excellence" wird Deutschland auch in der Zukunft das hohe Niveau im internationalen Vergleich halten können. Nur in solchen spezialisierten Zentren können die kleinen Patienten zu jeder Tages- und Nachtzeit eine komplette Versorgung durch Diagnostik und Therapie erhalten. Auch für infrastrukturelle Maßnahmen wie die Unterbringung der Eltern kann gesorgt werden.

Holger Zorn, Mai 2003

Pressekontakt:
Johannes Gehron
Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e. V.
Tel.: 0641 / 9944257