Berufsfeld Kardiotechnik
Berufsfeld Kardiotechnik
Vor Ihnen liegt die gründlich überarbeitete, 3. Auflage "Berufsbild
Kardiotechniker - eine Tätigkeitsbeschreibung". Sie vermittelt Ihnen
einen aktuellen Überblick der Tätigkeiten, die in deutschen Kliniken von
Kardiotechnikerinnen und Kardiotechnikern auf hohem fachlichen Niveau ausgeübt
werden. Eine Neuauflage wurde erforderlich, da die Herzchirurgie und somit
auch die Kardiotechnik einem stetigen Wandel unterliegen, der Änderungen
der Tätigkeitsbereiche zur Folge hat. Es soll Ihnen auch die Möglichkeit
eröffnen, das eigene Arbeitsumfeld auf Tätigkeiten zu überprüfen, die Sie
noch in Ihr Repertoire aufnehmen können. Unbedingte Voraussetzung beim Erschließen
neuer Tätigkeitsbereiche ist es jedoch, die erforderliche Qualifikation
durch Teilnahme an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zu erwerben, um fachlich
kompetent im Klinikumfeld auftreten zu können. Hervorheben möchte ich das
Engagement von Herrn Dipl.-Ing. Krzysztof Klak und Frau Dipl.-Ing. Karin
Beck, die sich bereit erklärt haben, diese Tätigkeitsbeschreibung auf den
neuesten Stand zu bringen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, das
Berufsbild "Kardiotechnik" in Deutschland zu professionalisieren und nach
außen transparent zu machen.
Geleitwort zur 3. Auflage
Dr. rer. medic. Dipl.-Ing. Dirk Buchwald Ltd. Kardiotechniker
Universitätsklinik Bergmannsheil, Bochum
Jede herzchirurgische Operation ist heute vergleichbar mit
der Aufführung einer Symphonie eines Kammerorchesters von hervorragenden
Instrumentalisten.
Kardiotechniker gehören zur festen Besetzung bei Eingriffen am offenen
Herzen mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine.
Die Tätigkeitsgruppen während einer offenen Herzoperation sind
Ärzte (Herzchirurgen und Anästhesisten) und Angehörige der
Pflegeberufe (OP-Schwestern, Anästhesie-Schwestern) sowie Kardiotechniker.
Die Kardiotechnik hat sich in letzter Zeit zu einem Einsatzgebiet für
Diplom-Ingenieure mit Fachhochschulausbildung entwickelt. Wegen des überwiegend
betriebenen Einsatzes von speziellen technischen Geräten ist hier die
technische Vorbildung ein gutes Standbein für die Tätigkeit im
Operationsteam.
Unter der übergeordneten Verantwortung des Herzchirurgen wird der Einsatz
der Herz-Lungen-Maschine in enger Kooperation und Adaption an die Einzelsituation
vom Kardiotechniker übernommen.
Auf Grund ihrer Erfahrung im technischen Bereich sind die Kardiotechniker
über die Betreibung der Extrakorporalen Zirkulation im Neugeborenen-,
Kindes- und Erwachsenenalter hinausgewachsen und haben wesentliche Funktionen
bei den Kreislaufunterstützungsverfahren, beim Monitoring von Vital-Parametern,
bei den intraoperativen Blutaufbereitungsverfahren, bei der apparativen
Blutgas- und Blutchemie-Analyse, bei der Rhythmustherapie, bei der Organtransplantation,
bei der Dokumentation und Statistik, bei der Medizingeräte-Verordnung,
in der Forschung und bei anderen klinikspezifischen Tätigkeiten übernommen.
Neben der täglichen Routineanwendung und Überwachung der dazugehörigen
aufwendigen Apparatemedizin gehört die gemeinsam mit den Ärzten
auf dem Stand zu haltende Weiterentwicklung der Technik, häufig auch
die Einbindung in direkte Forschungstätigkeiten, zu den Arbeitsbeschreibungen
der Kardiotechniker.
Die Einbindung der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik e.V. in
die Jahres-Kongresse der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz-
und Gefäßchirurgie gehört seit Jahrzehnten zum Standard
des Wissensaustausches, ebenso gehört die Mitwirkung von Herzchirurgen,
Anästhesisten und anderen medizinischen Spezialisten bei den jährlichen
Kongressen der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik zur Selbstverständlichkeit.
In einer so hochspezialisierten und technisch aufwendigen Medizin wie der
Herzchirurgie kann nur das Zusammenwirken von medizinischen und technischen
Spezialisten bei leichteren bis zu schwierigsten Operationen die Leistung
des Kammerorchesters erbringen.
Prof. Dr. med. J. Chr. Reidemeister (em.), Essen
Vorwort
Bei keinem anderen Beruf klafft so sehr die Lücke zwischen uneinheitlicher
Berufsausbildung, Prüfung und fehlender Zulassung wie bei dem
des Kardiotechnikers. Wer denkt bei der "soap-opera" im
Fernsehprogramm, in der grünbekittelte, kopflichtbewehrte Herzchirurgen
mit Lupenbrillen vor der Kamera schwitzen, dass der Kreislauf in der
Zwischenzeit von einer komplexen Maschinerie aufrecht erhalten wird,
die ein anderer Fachmann bedienen muss, dessen grober Fehler zum Tod
des Patienten führen kann - wann kommt er groß ins Bild?
Mit Lob und Stolz darf man auf die Kardiotechniker der ersten Stunde
verweisen. Sie haben mit Pioniergeist eine vorher unvorstellbare Entwicklung
ins Rollen gebracht. Ein junger Arzt namens Gibbon hatte vor über
40 Jahren eine Maschine konstruiert, die nur Blut pumpen sollte; an
Gerinnung, Säure-Basengleichgewicht und Elektrolyte hat er keine
Gedanken verschwendet. Es hat noch etwas gedauert, bis eine Maschine
konstruiert war, die routinemäßig komplikationslos lief.
Dann kam die Ära, in der Ärzte ihr Wissen an interessierte
Pflegekräfte weitergeben konnten, so dass der Aufbau der Herzchirurgie
möglich wurde. Heute ist dieses Wissen von Ärzten nicht
mehr lehrbar, weil nicht mehr vorhanden. Die Technik hat parallel
zur Medizin einen derartigen Quantensprung vollbracht.
Ich nehme dies zum Anlass, um mich als Chirurg stellvertretend bei
allen Kardiotechnikerinnen und Kardiotechnikern zu bedanken, die mit
uns die entscheidenden Akte der Operation mittragen, einen maßgebenden
Anteil am Überleben der Patienten und damit nicht zuletzt an
unseren Erfolgen haben.
Prof. Dr. med. A. Laczkovics
Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Universitätsklinik
Bochum
Nachwort
Vollständige Berufsbeschreibung
39.
Internationalen Jahrestagung der DGfK in Weimar